Schurwolle – Eigenschaften, Vorteile und warum sie ideal für hochwertige Troyer ist
Was ist Schurwolle?
Als Schurwolle wird Wolle bezeichnet, die durch das Scheren lebender Schafe gewonnen wird. Bei recycelten oder bereits verarbeiteten Fasern darf diese Bezeichnung nicht verwendet werden.
Durch ihre natürliche Wärmeisolierung, ihre Fähigkeit zum Feuchtigkeitsausgleich und ihre Langlebigkeit eignet sich Schurwolle besonders für hochwertige Strickwaren wie den Troyer.
Wie entsteht Schurwolle?

Die Schafschur findet in der Regel einmal jährlich statt. Damit sich aus der Rohwolle ein hochwertiges Garn spinnen lässt, benötigen die Wollfasern eine ausreichende Länge von etwa 70 Millimetern. Die Schur erfolgt meist im Frühjahr, damit die Tiere ihr dichtes Wollkleid nicht durch die warmen Sommermonate tragen müssen.
Nach der Schur wird die Rohwolle sortiert, gewaschen und getrocknet. Anschließend werden die Fasern gekämmt und versponnen. So entsteht aus der Rohwolle ein Garn, das später verstrickt werden kann.
Dabei ist Schurwolle nicht gleich Schurwolle. Je nach Faserbeschaffenheit und Verarbeitung entstehen Garne, die sich unter anderem in Feinheit, Stärke und Konstruktion unterscheiden.
\nEine besondere Form der Schurwolle ist Merinowolle; die Unterschiede zwischen klassischer Schurwolle und Merinowolle erläutern wir ausführlich in unserem Materialvergleich.
Für unsere klassischen Schurwoll-Troyer verwenden wir ein NM-18/2-Garn. Das bedeutet, dass zwei einzelne Garnfäden miteinander verzwirnt werden. Dieser Zwirn wird anschließend dreifädig verstrickt. Eine einzelne Perle unseres klassischen Perlfanggestricks besteht somit aus insgesamt sechs Fäden.
Die Qualität einer Strickware hängt deshalb nicht allein von der verwendeten Wollart ab. Ebenso entscheidend für die Eigenschaften des Garns und damit des Gestrickes sind die Parameter bei der Herstellung, die gewählte Strickbindung sowie die Anzahl der gleichzeitig verstrickten Fäden. Dieses Zusammenspiel bestimmt den Charakter, das Gewicht und die Haltbarkeit eines Troyers.
Welche Eigenschaften besitzt Schurwolle?
Wärmeisolation
Die Wollfaser besitzt eine natürliche Wellenstruktur, eine „Kräuselung“. Dadurch entstehen zwischen den einzelnen Fasern kleine Luftkammern. Da Luft ein starker Wärmeisolator ist, helfen diese Kammern dabei, die Körperwärme im Kleidungsstück zu halten und vor Kälte von außen zu schützen.
Feuchtigkeitsregulierung
Schurwolle kann Feuchtigkeit im Inneren ihrer Fasern aufnehmen und später wieder an die Umgebungsluft abgeben. Dabei fühlt sie sich vergleichsweise lange trocken an, da die Feuchtigkeit zunächst im Inneren der Faser gebunden wird.
Diese Eigenschaft trägt zu einem ausgeglichenen Körperklima bei und macht Wollbekleidung auch bei wechselnden Temperaturen angenehm tragbar. Beim Auslüften wird ein Teil der aufgenommenen Feuchtigkeit wieder abgegeben. Deshalb genügt es bei einem Troyer aus Schurwolle häufig, ihn nach dem Tragen gründlich auszulüften, anstatt ihn direkt zu waschen.
Elastizität
Die natürliche Kräuselung der Wollfaser ähnelt einer kleinen Spiralfeder. Nach einer Belastung kann die Faser weitgehend in ihre ursprüngliche Form zurückkehren.
Schurwolle ist daher von Natur aus elastisch und knitterarm. Das trägt dazu bei, dass die Strickware auch bei regelmäßigem Tragen lange ihre Form behält.
Widerstandsfähigkeit
Wollfasern können sich unter Belastung zunächst dehnen, bevor sie reißen. Gröbere Schurwolle besitzt zudem kräftigere Fasern und verleiht dem Garn einen besonders robusten und kernigen Charakter.
Auch beim Pilling spielt die Faserbeschaffenheit eine Rolle. Bei Garnen aus dickeren und härteren Fasern stehen weniger lose Faserenden aus dem Garn heraus. Dadurch kann die Bildung von Knötchen deutlich reduziert werden.
Warum eignet sich Schurwolle besonders gut für Troyer?
Die Eigenschaften von Schurwolle passen zu den ursprünglichen Anforderungen an einen Troyer: Das Material wärmt, gleicht Feuchtigkeit aus und ist widerstandsfähig. Gerade die Robustheit war für einen Pullover entscheidend, der ursprünglich als Arbeitskleidung auf See getragen wurde.
Auf hoher See kann sich das Wetter innerhalb kürzester Zeit ändern. Starker Wind und Regen wechseln sich mit Sonne und milderen Bedingungen ab. Beim Fischen, beim An- und Ablegen, bei der Arbeit an Deck oder im Umgang mit Tauwerk wurde der Troyer ständig beansprucht. Ein Material, das diesen Belastungen nicht standhält, ist für einen solchen Einsatz ungeeignet.
Auch historisch lag die Verwendung von Wolle nahe. Als der Troyer in seiner heutigen Form vor über 100 Jahren entstand, war sie ein verbreitetes und gut verfügbares Material. Schafe wurden vielerorts zur eigenen Versorgung gehalten. Ihre Wolle wurde vor Ort aufgearbeitet und zu Pullovern verstrickt.

Wie pflegt man Schurwolle richtig?
Schurwolle benötigt von Natur aus wenig Pflege. Ein Schurwoll-Troyer sollte daher nicht nach jedem Tragen gewaschen werden. In den meisten Fällen genügt gründliches Auslüften.
Ist eine Wäsche erforderlich, sollte der Troyer bei 30 °C im Wollwaschprogramm und mit einem geeigneten Wollwaschmittel gewaschen werden. Auf das Schleudern sollte verzichtet werden, da das schwere, nasse Gestrick dadurch unnötig beansprucht werden kann.
Besondere Aufmerksamkeit verdient das Trocknen. Wollfasern können viel Wasser aufnehmen. Wird ein nasser Troyer auf einem Bügel oder hängend auf dem Wäscheständer getrocknet, kann das zusätzliche Gewicht das Gestrick in die Länge ziehen und seine Form verändern. Deshalb sollte der Troyer nach der Wäsche liegend getrocknet werden.
Direkte Hitze durch einen Wäschetrockner oder ein Bügeleisen sollte vermieden werden.
Ausführliche Informationen finden Sie in unseren Pflegehinweisen für Wollpullover.